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DIE ROUTE DER NEPTUNGRäSER (POSIDONIA) . Das biologische Geheimnis von Formentera


Manchmal ist von der Magie der Meeresgewässer vor Formentera die Rede. Die Farbe und die Transparenz werden mit denen entfernter Meere verglichen. Doch das ist keine Magie, sondern Biologie, und auch eine Garantie für die Zukunft der einheimischen Wirtschaft, denn diese stützt sich auf einen Tourismus, der die typischen Merkmale des Angebots von Formentera und der hiesigen Strände zu schätzen weiß.

Das Geheimnis liegt in den Neptungräsern (Posidonia), einer Unterwasserpflanze, die eine ganz wichtige Rolle im Verbund von Meer und Land spielt. Die Neptungräser können hier wachsen, weil die Küstengewässer transparent sind und eine durchschnittliche Sichtweite von 30 bis 40 Metern, teilweise sogar bis zu 70 Metern ermöglichen. Und das Wasser ist transparent, weil es Neptungräser gibt.

Praktisch entlang der gesamten Meeresküste von Formentera wachsen ganze Posidonia-Kolonien. Die hier vorgestellte Route verläuft jedoch entlang der Sandstrände im nördlichen Teil der Insel, und zwar innerhalb des Naturschutzgebiet Ses Salines. In dieser Gegend von eindrucksvoller Schönheit kann man außerdem mit wenigen Schritten von einem Oststrand an einen nach Westen ausgerichteten Strand wechseln.

Wir werden die Strände Cavall d’en Borràs, Ses Illetes, des Pas, des Trocadors und Llevant besuchen, eine Reihe von Sandstränden, die man bei einem Blick auf die Landkarte an der Landenge findet, die vom Norden Formenteras nach Ibiza zu greifen scheint.

Der direkteste Weg, um die Wiesen mit Neptungräsern zu sehen, wäre natürlich ein Tauchgang in das transparente Meer. Bei unserem Vorschlag jedoch können Sie sehen, wie das Meer und die Erde in einem ökologisch sehr zerbrechlichen Gebiet aufeinander einwirken, ohne sich die Füße nass zu machen.

Was sind die Neptungräser?

Im Wörterbuch des Institut d'Estudis Catalans (Institut für Katalanische Studien) ist unter dem Stichwort Neptungräser (Posidonia oceanica) auch die Bezeichnung „Glasmacheralge“ aufgeführt, die wie folgt definiert wird: „Blütenpflanze aus der Familie der Neptungrasgewächse (Posidoniaceae), mit horizontalen Rhizomen, bedeckt mit faserigen Resten der abgestorbenen Blätter, bandförmigen Blättern, reduzierten Blüten, traubigen Blütenständen und fleischigen Früchten; in den Tiefen vor der Küste bilden sie ausgedehnte Meereswiesen auf vorrangig sandigem Boden. Ihre abgestorbenen Blätter wurden von den Glasmachern verwendet, um zerbrechliche Artikel einzupacken.“

Die „Posidonia”, die im Volksmund als Alge bezeichnet wird, ist gar keine Alge, sondern eine Pflanze, die auf dem Meeresgrund auf hauptsächlich sandigem Boden mit sanft verlaufendem Relief wächst, der vom Sonnenlicht erreicht wird. Sie ist dunkelgrün und ihre bandförmigen Blätter können bis zu 2 Meter lang werden. Sie blüht und trägt Früchte, und wächst in Form von ausgedehnten Wiesen.

Dank der „Algen” von Formentera tauchte die Insel in allen wissenschaftlichen Veröffentlichungen mit weltweiter Verbreitung auf, als ein Team von Wissenschaftlern des Centro Superior de Investigaciones Científicas (CSIC, Institut für Wissenschaftliche Forschungen) in den Gewässern vor Formentera den größten und ältesten lebenden Organismus der Welt entdeckten: 8 Kilometer lang und geschätzte 100.000 Jahre alt. Es handelt sich um ein Exemplar der Posidonia oceanica.
Früher wurden auf Formentera die „Algen“, die man am Strand sammelte, als Unterlage für das Vieh und vor allem als Dachisolierung bei den traditionellen Bauten verwendet.

Positive Auswirkungen

Die Wissenschaftler schreiben den Neptungräsern des Mittelmeers einige positive Wirkungen zu, die man bei einer Besichtigungsreise nicht sehen kann, wie beispielsweise die Absorption von 25 Millionen Tonnen Kohlenstoff aus der Luft. Die Neptungräser sind eine Lunge für das Mittelmeer: jeder Quadratmeter Wiesenfläche produziert durch Fotosynthese täglich bis zu 14 Litern Sauerstoff. Die Posidonia-Wiesen sind Lebensunterhalt für andere Lebewesen und produzieren eine große Menge organischer Stoffe. Sie erfüllen auch andere Aufgaben wie:
- Sanderzeugung. Während unseres Ausflugs können wir an der Meeresoberfläche einen besonders feinen, weißen Sand sehen. Es handelt sich um biologisch erzeugten Sand, der von den Posidonia-Wiesen an die Strände befördert wird. Er besteht aus Algenresten und Skeletten der in den Wiesen lebenden Mikroorganismen (Mollusken, Bryozoa – Gewebetiere, die äußerlich wie Moos aussehen, auch Moostierchen genannt -, Stachelhäuter wie Seesterne und Seeigel, usw.). Es wird gerechnet, dass jeder Quadratmeter Posidonia-Wiese pro Jahr zwischen 10 und 100 Gramm von diesem Sand erzeugt.
- Naturriffe. Richtige Schutzbarrieren für den Strand, die bis zu 4 Meter hoch werden und die Kraft der Wellen mindern, so wie es auch ein Korallenriff tun würde. Manchmal sind sie vom Strand aus sichtbar.
- Schwimmende „Decken”. Die abgestorbenen, langen und kräftigen Blätter bilden eine Art schwimmender Decken, die sich wenige Meter vom Strand aufhalten. Sie stellen eine flexible, schwammförmige Masse dar, die bei Stürmen einen großen Teil der Wassergewalt absorbiert und dadurch verhindert, dass der Sand von den Stränden fortgetragen wird.
- Blätterberge am Strand. Sie sind die sichtbarste Auswirkung. Ihre primäre Aufgabe besteht darin, zu verhindern, dass der Sand vom Wasser fortgeschwemmt wird. Und so beginnt das Wunder der Entstehung von Dünenlandschaften. .

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01.Von Ibiza nach Formentera


Der Spaziergang beginnt zwar erst im Hafen von La Savina auf Formentera, doch schon bei der Bootsfahrt ab Ibiza können wir vom Meer aus den Weg sehen, den wir anschließend zu Fuß zurück legen werden.

Zu Beginn des Ausflugs ab dem Hafen Vila fährt das Boot über die Posidonia-Wiesen hinweg, die Teil des monumentalen und ökologischen Schatzes sind, der von der UNESCO 1999 zum Welterbe erklärt wurde. Die ganz besondere Färbung des Wassers ist durch die Posidonia-Wiesen entstanden.

An Steuerbordseite lässt unser Schiff den dicht besiedelten Strandabschnitt Playa d’en Bossa zurück, dessen Gebäude und Hotels – vom Meer aus gesehen – vom Turm Torre de sa Sal Rossa gebremst zu werden scheinen, denn hier beginnt der Naturschutzgebiet Ses Salines, der zu dem gleichen Ökosystem gehört, das wir jetzt (vorsichtig) betreten werden. An der Küstenlinie taucht nach einem bewaldeten Abschnitt der Strand Ses Salines und der Turm Torre de ses Portes auf. Hier endet Ibiza und beginnt Los Freus, die Meerespassage, die Ibiza von Formentera trennt. An Steuerbord lässt das Schiff die Insel Penjats mit ihrem Leuchtturm hinter sich.

Jetzt ist der richtige Moment, um nach Backbord zu schauen, wo der Leuchtturm d’en Pou auftaucht, der die gesamte kleine Insel einzunehmen scheint, auf der er steht. Er begrenzt die Meeresenge auf dieser Seite. Den Blick schon auf Formentera gerichtet, tauchen nacheinander Sa Torreta und der Strand Playa de Espalmador auf, bis die Küstenlinie langsam absinkt und für einige Meter unter dem Meer verschwindet, um dann als schmale, fragile Landenge wieder aufzutauchen. Dieser Wasserflur ist Es Trocadors, der Zielpunkt unseres Spaziergangs sein wird. Die ganze Strandlinie, die wir vom Meer aus sehen können, werden wir an Land zurück legen. Wenige Minuten später erreicht das Schiff den Hafen von Formentera.

02.Von La Savina bis zum Strand Cavall d’en Borràs


Nach Ankunft im Hafen La Savina muss man bis zum Strand Cavall d’en Borràs weiterfahren. Dazu werden die Jachthäfen durchquert, in denen jeweils ein kleiner Bereich für die einheimischen Fischerboote reserviert ist. Ein parallel zur Küste verlaufender Weg führt bis nach Sa Sequi, einer künstlich geschaffenen Verbindung zwischen dem Meer und dem Teich Pudent. Sie wurde angelegt, um den Teich zu sanieren und die Salzindustrie zu unterstützen. Kurz darauf beginnt der Strand Playa des Cavall d’en Borràs. Vier Kilometer über den Sand trennen uns von unserem Ziel, dem Paso des Trocadors.

Es Cavall d’en Borràs ist nur ein Vorgeschmack auf das, was wir noch zu sehen bekommen: weißer Sand, transparentes Wasser und Reste von Neptungras. Das Wäldchen aus Wacholderbäumen schützt den Strand und erlaubt dem Besucher, nahe am Meer nur wenige Meter vom Wald entfernt zu gehen – eine gute Gelegenheit, im Schatten auszuruhen und Kräfte zu sammeln.

Jetzt sieht man schon die alte Mühle am Ladesteg, das heutige Restaurant Molí de Sal. Es lohnt sich, den kleinen Hügel hinauf zu gehen, der zu der auf einer kleinen Landzunge gelegenen Mühle führt: wir gewinnen einige Meter Höhe über dem Meeresspiegel und können dadurch die verschiedenen Grün- und Blauschattierungen des Meeres sowie die dunklen Flecken sehen, die das Vorhandensein der Posidonia-Wiesen bezeugen.

03. Von Ses Illetes bis Trocadors


Wenige hundert Meter weiter erreicht man den Strand Playa de ses Illetes. Kein Schild am Meer gibt uns diese Information, doch der Blick auf die illetes (Inselchen) wenige Meter vom Strand entfernt sagt uns sofort, dass dieser Name ideal und durchaus angemessen ist.

Hier ist eine gute Stelle, um ganz aus der Nähe die vielen Vorteile der Posidonia zu beobachten. Wenn sich die Wellen auf dem Sand brechen, kann man einzelne grüne Blätter sehen, die noch mit Wurzeln versehen am Strand liegen bleiben, ebenso den - von den Posidonia-Wiesen - biologisch erzeugten Sand, der in diesem mehrdeutigen Bereich zwischen Land und Meer verbleibt, wo das Wasser in einem kaum vorhersehbaren Rhythmus kommt und geht, so dass die Schuhe schon mal nass werden können.

Der Wind und die Wellen treiben die trockenen Blätter und Früchte der Posidonia auf dem Sand von einer Seite auf die andere. Diese Bewegung, an der auch der Sand selbst beteiligt ist, ist der Ursprung der Dünen. Im Rahmen des Erneuerungsplans wurden die Dünen in diesem Gebiet von behördlicher Seite durch Zäune geschützt, dazu gehört auch die Anbringung von Stegen, damit man die Strände besuchen kann, ohne die Dünen zu betreten, und von Hindernissen, damit keine Autos durchfahren können. Auf den Tafeln, die den Dünenerneuerungsplan ankündigen, wird anhand einfacher Zeichnungen der Entstehungsprozess dieser Ökosysteme erklärt.

Das Gefühl, in einem Freigebiet zwischen Meer und Land zu sein, wird immer stärker, je weiter man nach Norden in Richtung Es Trocadors kommt. Nach dem letzten Parkplatz und dem dazugehörigen Restaurant wird die Landenge schmal, teilweise verschwindend wenig. Die Vegetation ist auf Widerstand ausgerichtet: sie muss salzhaltige Winde, intensive Dürreperioden und instabilen Boden aushalten. Es gibt jedoch Pflanzen wie die Seelilie, das Leimkraut (Silene cambessedesii), kräuterähnliche Halmgewächse oder Strandflieder (Limonium). Auch vereinzelte Wacholderbäume fordern die Gesetze der Physik heraus und bezahlen dafür mit windschiefen Silhouetten von friedlicher Schönheit.

Die Ankunft bei Es Trocadors ist eine Erfahrung, die man unbedingt erleben sollte. Sobald man dort ist, verfliegt jeglicher Zweifel über die extreme ökologische Zerbrechlichkeit dieser Gegend und die überragende Bedeutung der allgegenwärtigen Posidonia.

Nachdem man den Weg über die Landenge zurück gegangen und am nördlichsten Parkplatz von Formentera angekommen ist, kann die Rückkehr über den Strand Playa de Llevant erfolgen, bis man sich auf der Höhe der Mühle Molino del Carregador befindet. Der Blick richtet sich auf die kleine unbewohnte Insel Espardell und das klare saubere Meer, das sie vom Strand de Llevant trennt.

Wenn man wie empfohlen den Ausflug im Winter macht und am Vormittag losfährt, dann wird man besonders belohnt, kurz bevor man den Hafen La Savina erreicht: mit einem Sonnenuntergang mit Blick auf Es Vedrà als besonderer Augenschmaus.

Ein bedrohtes Paradies

Die paradiesischen Gewässer vor Formentera und das besonders zerbrechliche Ökosystem am Strand Ses Salines hängen von den Neptungräsern ab. Und deren Überleben ist in Gefahr.

Die Posidonia-Wiesen gehen zurück und nehmen ab. Die ankernden Schiffe und das von einigen privaten Schiffen ins Meer geleitete Schmutzwasser zerstören diese langsam wachsende Pflanze. Der Anstieg der Wassertemperatur, ein weltweites Phänomen, ist auch nicht hilfreich.



  • interessante Angaben
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  • Standort

Formentera

  • Dauer

Etwa 1 Tag

  • Anfahrt google

Die Ausflugsroute beginnt im Hafen von Formentera. Die Abfahrt der Schiffe ab Ibiza erfolgt vom Anleger der Schiffe nach Formentera, an der Avenida Santa Eulària. Auch im Winter fahren Schiffe. Informationen über Preise und Fahrpläne:
www.balearia.com
www.medpitiusa.net
www.iscomar.com

Information über öffentliche Verkehrsmittel auf Ibiza und Formentera:
www.ibizabus.com

  • Empfehlungen

Insgesamt sind rund 10 Kilometer zu Fuß zu gehen, von denen fast 8 km über Sandstrand führen. Deshalb sollte man das richtige Schuhwerk sorgfältig wählen.

Man kann diesen Ausflug zwar das ganze Jahr hindurch unternehmen (Vorsicht vor Sonnenstich, wenn man ihn im Sommer macht), doch erst im Winter findet man die notwendige Ruhe an diesen Stränden, die im Sommer großem Druck ausgesetzt sind und außerhalb der Hauptreisezeit eine ganz andere Atmosphäre bieten.

Man sollte Essen und Wasser mitnehmen. In der Gegend gibt es wohl Strandrestaurants und –kneipen, doch die sind nur in der Hauptreisezeit geöffnet. Im Hafen La Savina findet man immer irgendeine offene Kneipe oder Restaurant.

Es ist hilfreich, wenn man eine Luftkarte dieser Gegend besitzt.

  • Externe Weblinks

www.illesbalears.es
www.formentera.es

  • Besonders sehenswert in der Nähe

Espalmador. Eine kleine, unbewohnte Insel, die nur 150 m von Formentera entfernt liegt. Sie gehört zum Naturschutzgebiet Ses Salines, und ist mit dem Schiff vom Hafen von La Savina aus zu erreichen.

Grüne Routen. Die Stadt Formentera hat eine Broschüre herausgegeben, in der verschiedene Routen für Spaziergänge, Wanderungen oder Radtouren beschrieben werden, um die Insel kennen zu lernen.

  • Weitere wichtige Adressen

Oficina de Información Turística
(Fremdenverkehrsamt)

Hafen von La Savina. 07870 La Savina.
Tel.: 8+34) 971 322 057 - 971 322 825
E-mail: turismo@formentera.es